Insel Chiloé – mit Umwegen und Hindernissen nach Ancud
Reise Fast bis zu den Marmorhöhlen
So, danach ging es weiter mit dem Schlamassel. Wir wollten die Marmorhöhlen sehen, wunderschöne blau-weiß gestreifte Höhlen im Wasser, die man nur im Boot erreichen kann. Dazu mussten wir wieder einmal die Grenze nach Chile übertreten.
Wir holten uns Geld an einem Automaten und bastelten uns aus einem Stück Pappe ein Schild mit “Frontera“ drauf, “Grenze“. Uns sammelte bald ein Mann ein und nahm uns bis zur Grenze mit.
Das Übertreten derselben war aber nach 22:00 Uhr nicht mehr möglich, sodass wir uns eine Schlafgelegenheit an der Grenze in Antiguos suchen mussten. Wir nächtigten in einem Papphaus und aßen Pizza in einer kleinen Pizzeria um die Ecke, die nur von Einheimischen aufgesucht wurden. Sie kreierten eine eigene vegetarische Pizza für Luisa, da es auf der Karte keine gab. Raphael bekam eine aus verschiedenen Sorten Fleisch…
Am nächsten Tag liefen wir die paar Kilometer zum ersten Grenzposten (raus aus Argentinien) und wurden dann von einer Familie in einem Kleinwagen (4-Sitzer, Mama plus 2 erwachsene Kinder saßen schon im Auto) zum nächsten Posten (rein nach Chile) mitgenommen. Außer dem Sohn war niemand so wirklich begeistert, er dafür umso mehr und er fragte uns nach unserer Herkunft, unserer Reise und allem aus. Am Grenzposten waren Mutter und Tochter erleichtert, dass sie uns los waren und alle holten sich die Stempel für die Einreise nach Chile.
Wie der Zufall so wollte, waren wir gerade fertig, als die kleine Familie weiterfuhr und der Sohn bestand darauf, uns noch bis nach Chile Chico mitzunehmen, das wirklich noch ein gutes Stück entfernt war. Wir bedankten uns herzlich und stiegen in einem kleinen Dorf aus, von dem die Höhlen noch einmal 150 km weiter im Norden des angrenzenden Sees lagen.
Mit dem Bus aber gut zu erreichen, dachten wir, da nur eine Straße zum nächsten Dorf führte. Falsch gedacht; wir ergatterten keinen Platz im Bus desselben Tages und mussten nochmals gezwungenermaßen eine Nacht in einem kleinen nicht besonders interessanten Ort verbringen.
Am nächsten Tag dann die Busfahrt nach Puerto Río Tranquilo, wo wir mit dem Boot zu den Marmorhöhlen fahren wollten. Die Touranbieter waren auch direkt an der Straße und wir liefen in einige der kleinen Stände hinein.
schwere Enttäuschung kurz vorm Ziel
Herbe Enttäuschung breitete sich aus, denn alle gaben uns die gleiche Antwort: Sie seien gestern nicht raus gefahren, heute nicht, morgen würden sie wahrscheinlich auch nicht rausfahren. Es sei einfach zu windig für die Bootstour.
Ein kleiner Funken Hoffnung blieb, wir liefen die Straßen auf und ab, um ein Hostel zu finden, wir könnten es ja am nächsten Tag nochmal versuchen. Aber auch dort: Keine Chance. Alle Zimmer, alle Hostels, einfach jedes verdammte Bett in dem kleinen Dorf war belegt.
Gut, die Hoffnung schwand, also weg hier, dachten wir uns und gingen zum Stand des Busunternehmens. Nächster freier Busplatz in 4 Tagen, teilte man uns dort mit. Wir blickten die Straße hinunter und dort standen mindestens 15 Tramper.
Fast überrollte uns eine Welle von Frustration. Dieses Dorf war offensichtlich nicht ansatzweise für den Ansturm an Touristen vorbereitet. Das sollten wir in den nächsten Tagen noch häufiger in der Region erfahren.
Wir hatten gerade das Bushüttchen verlassen und standen mit unseren Rucksäcken verloren auf der Straße, da fingen die Tramper plötzlich an, ihre Sachen zu packen, zu einem kleinen LKW mit offener Ladefläche zu rennen und sich und ihr Hab und Gut auf die Ladefläche zu werfen.
Tour nach Coyhaique
Schnell wechselten wir einen kurzen Blick und es waren keine Worte nötig: Wir sprinteten augenblicklich los, besprachen kurz mit dem Fahrer die Vereinbarkeit unserer Fahrziele und sprangen auf die rostige Metallfläche. 10 weitere Leidensgenossen warteten dort schon auf uns. Eine Mutter mit kleinem Kind konnte glücklicherweise auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.
Nicht nur bis dahin sollte der Transport schwierig gewesen sein: Über 700km unbefestigte Straßen lagen vor uns bis Puerto Montt, der Weg zur nächsten Stadt, Coyhaique, dauerte sieben Stunden.
TIPP: wenn du zu den Marmorhöhlen möchtest, solltest du früh genug Unterkünfte buchen und auch Transportmittel. Am besten wäre wohl ein MIetwagen. Wenn möglich, einfach checken, ob die Boote überhaupt fahren.
Tour nach Coyhaique
Zunächst war es einfach nur ziemlich hart auf dem kaum gefederten LKW, bei einigen Schlaglöchern flogen wir bis zu 50cm in die Luft um dann wieder ungebremst auf die Ladefläche zu knallen. Als es anfing zu dämmern und die ersten Tropfen des beginnenden Regens auf uns nieder prasselten, wurde es dann auch noch richtig kalt.
Die wärmende Flasche Rotwein, die wir in der Tasche dabei hatten, wurde unter allen verteilt, die Schlafsäcke ausgepackt. Stunden später kamen wir in Coyhaique an, dort war auch kein Hostel oder Hotel zu finden. Nur durch ein bisschen Glück und Zufall ergatterten wir noch ein Zimmer, in einem 3-Sterne Hotel. Was für ein Luxus, diese warme Dusche, die ganz uns gehörte!
weiter über Fähren nach Chiloé
Erst am übernächsten Tag bekamen wir einen Platz im Bus nach Chaitén und so verbrachten wir den Tag in Coyhaique und noch eine Nacht in unserem Luxuszimmer.
Am nächsten Tag ging es los, einer unserer Plätze war doppelt gebucht worden, die Frau der Busgesellschaft wollte, dass einer von uns für den gleichen Preis stehend mitfährt. Sicherlich nicht.
Naja, in Chaitén angekommen, gleiches Drama: wieder kein Bus. Es wurde uns allerdings angeboten, einen Bus am frühen Morgen nur bis zur Fähre zu nehmen. Wir schlugen zu. Auf der Fähre, für die wir nichts bezahlten (kein Schimmer, ob das so geplant war), sprachen wir einen älteren Herrn und seine Tochter mit kleinem Kind an, ob wir auf seiner Pick-Up Ladefläche bis zur nächsten Fähre mitfahren dürften. Und ja, sie nahmen uns sogar auch noch auf dem nächsten Abschnitt mit und dann bis Puerto Montt.
Auf der letzten Fähre trafen wir eine Gruppe deutscher Männer. Sie waren bloß für eine Woche zum Fischen in den Seen nach Chile gekommen und erwarteten ein Privattaxi, das sie vom Anleger aus bis nach Puerto Montt transportieren sollte. Es war eine sehr besondere Begegnung und Unterhaltung, während wir gerade trampend und mit so wenig Geld wie möglich unterwegs waren.
In Puerto Montt liefen wir zunächst zum Busbahnhof, um unsere Weiterreise nach Ancud zu klären und dort sprach uns ein Mann an, er habe eine Unterkunft für uns. Etwas skeptisch folgten wir und nächtigten dann wirklich in einem Zimmer seines Hauses -etwas gruselig zunächst, aber alles war in Ordnung und der Preis nicht zu schlagen.



Chiloé
Endlich auf der Insel Chiloe angekommen, verbrachten wir ein paar Tage dort in einem Hostel in Ancud mit Meerblick. Wir waren gekommen, um uns Pinguine und eventuell sogar Blau- und Buckelwale anzuschauen. Wir kümmerten uns direkt darum, einen Touranbieter zu finden, der Waltouren anbietet.
In dem Zeitraum, den wir auf Chiloe verbrachten, vereinbarten wir einige Termine für Waltouren bei verschiedenen Reiseagenturen, alle wurden abgesagt, weil die Boote wegen des starken Windes nicht raus fahren konnten. Eine herbe Enttäuschung für uns. Das mit den Walen wurde leider wieder nichts…
Aber es waren trotzdem schöne entspannte Tage nach dem Stress davor. Wir sahen uns die Pinguinkolonie von Chiloe an, bei der Humboldt und Magellan Pinguine zusammen leben. Die Tour ist süß, es wird etwas über Chiloé und die Unterschiede der Pinguine erklärt und man sieht ein paar Seelöwen. Man kann auch vom Strand aus einen schönen Spaziergang zu ein paar Aussichtspunkten über das Meer machen. Sehr zu empfehlen.
Einen Wal konnte uns das Muséo Regional de Ancud bieten, allerdings nur in Skelettform. Der Eintritt war frei und das Museum gibt viele schöne Informationen zur Insel und deren Tradition.
Außerdem unternahmen wir einen Ausflug, um in Castro die “palafitos“, hübsche Pfahlbauten in bunten Farben, anzusehen und die zum UNESCO Weltkulturerbe zählenden Holzkirchen der Insel zu bestaunen.











